Der Vorname

Kinostart: 02.08.12
2012
Filmplakat: Der Vorname

FBW-Pressetext

Alles beginnt mit einem friedlichen Essen mit der Familie und Freunden. Doch bald schon brodelt es gefährlich unter der Oberfläche. Denn Vincent, ein Selfmade-Unternehmer, hat sich für sein erstes Kind einen ganz besonderen Vornamen ausgedacht. Dieser löst bei seiner Schwester, seinem Schwager und dem besten Freund große Empörung aus. Ein Wort ergibt das andere und bevor man sich versieht, ist das Essen kalt geworden, während die Diskussion immer hitziger wird. Vorlage dieses Marathons an spitzen und geschliffenen Wortduellen ist das gleichnamige Bühnenstück von Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte, die hier auch die Regie übernommen haben. Von der ersten Minute an sprüht dieser Film vor französischem Charme und Witz, vor bissigem Spott und trotzdem liebevoller Herzlichkeit. Das Ensemble ist perfekt aufeinander eingespielt und wirft sich gegenseitig die verbalen Bälle zu. Die Kamera umfährt die Figuren beobachtend, die hemmungslos radikal miteinander umgehen und ihre kleinen und großen Geheimnisse voreinander offen legen. Bei dieser schrecklich netten Familie kommen Herz und Zwerchfell gleichermaßen auf ihre Kosten!

Filminfos

Gattung:Komödie; Spielfilm
Regie:Alexandre de la Patellière; Matthieu Delaporte
Darsteller:Patrick Bruel; Valérie Benguigui; Charles Berling; Guillaume De Tonquedec; Judith El Zein; Françoise Fabian; Yaniss Lespert; Miren Pradier; Juliette Levant; Alexis Leprise
Drehbuch:Matthieu Delaporte; Alexandre de la Patellière
Buchvorlage:Matthieu Delaporte; Alexandre de la Patellière
Kamera:David Ungaro
Schnitt:Célia Lafitedupont
Musik:Jérôme Rebotier
Webseite:warnerbros.de;
Weblinks:;
Länge:110 Minuten
Kinostart:02.08.2012
Verleih:Warner
Produktion: Chapter 2 Productions, Pathé; TF1 Films Production; M6 Films; Fargo Films; Nexus Factory;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Darf man das oder geht das einfach nicht? Ist das noch ein Spaß oder schon geschmacklos? Anhand einer ganz simplen Frage werden innerfamiliäre Konflikte offenbart, die „um des lieben Friedens willen“ – wer kennt das nicht? – gerne unter den Teppich gekehrt werden.
Aus der Suche nach dem passenden Vornamen für den kommenden Sohn entwickeln die Regisseure eine brillante Gesellschaftssatire, die von einem durchweg hochklassig agierenden Ensemble auf höchstem Niveau dargeboten wird. Das erinnert in positivster Weise an GOTT DES GEMETZELS, und es zeigt sich eindrucksvoll, dass die dünne Decke unseres sozialen Miteinanders noch lange nicht zu Ende dekliniert wurde. Im Unterschied zu Polanski widmen sich die Autoren und Regisseure Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte den innerfamiliären Strukturen, diesem scheinbar stets toleranten Miteinander trotz aller sozialer Unterschiede und unterschiedlicher politischer Ansichten. Denn Blut ist ja bekanntlich dicker als Wasser und als Familie muss man ja zusammen halten. Aber wann sind die Grenzen erreicht bzw. überschritten? Wann kann man persönliche Verletzungen nicht mehr mit einem Augenrollen und Stoßseufzer beiseite schieben? Wann bleibt letztlich auch dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken?
Unmerklich wandelt sich das als beschwingte, typisch französische Komödie eingeführte Kammerspiel in ein Feuerwerk geschliffener Dialoge und wirft dabei scheinbar en passant moralische Fragen auf, denen man gerne – zumal im familiären Kreis – aus dem Weg geht. Und so langsam, wie der Film sich den Kernfragen nähert, so langsam gewinnen auch die Figuren an Charakter, an Tiefe, die eine Vielschichtigkeit fördert, welche die ständigen, äußerst gekonnt eingefädelten Wendungen glaubhaft machen. Hier entwickelt sich nichts durch Zufall, keine Offenbarung ergibt sich nur um des Effektes Willen. Alles ist miteinander verwoben und ineinander begründet.
Mag sein, dass die eine oder andere Wendung (etwa das Verhältnis der „Pflaume“ mit der Mutter der Geschwister oder das abschließende Durchdeklinieren, wer sich nun noch bei der Schwester des werdenden Vaters, Babou, entschuldigen müsse) zu dick aufgesetzt oder zu theatralisch wirken, so sind das doch nur Randkritikpunkte, die das große Vergnügen an dieser brillanten Komödie nicht trüben.
Häufig verlieren gerade Filme mit geschliffenen Dialogen ein Stück weit ihre Schärfe, wenn die Übersetzungen nicht gelingen wollen und die Synchronfassungen dann streckenweise nicht zünden wollen. Daher sei hier auch die deutsche Synchronisation besonders hervorgehoben, die gekonnt auch schwierige Wortspiele transportiert.