Filmplakat: brace

FBW-Pressetext

Irgendwann haben sie bestimmt mal miteinander harmoniert. Doch nun scheint es nicht mehr zu gehen. Denn immer, wenn sie etwas achtlos beiseitelegt oder nicht richtig saubermacht, ist er da, um aufs Penibelste darauf zu achten, dass wirklich alles korrekt ist. Und so verlaufen ihre Begegnungen in der Küche angespannt und wortlos. Doch während für ihn nur zählt, dass alles in Ordnung ist, verliert sie jede Kraft und Energie. Bis es einfach nicht mehr geht. In BRACE verwendet die Künstlerin und Filmemacherin Anja Großwig eine sehr kunstvolle und originelle Form der Animation. Die Bilder erscheinen wie auf einer Kalkwand projiziert und sind Filmaufnahmen, die im Nachhinein animiert wurden. So spielt Großwig geschickt mit Nähe und Distanz, denn die Figuren, die man sieht, sind durch die Animation verfremdet, wirken aber dennoch natürlich, fast so, als würde man sie durch ein Fenster von außen beobachten. Die Handlung erfolgt ohne Worte, nur mit klug gesetzten Gesten, die die schwierige Beziehung der beiden Figuren etablieren. Auch die Musik setzt Großwig gezielt ein, um Stimmungen und einzelne Momente zu verdeutlichen. Ein starker Kurzfilm, der bis zum eindrucksvollen offenen Ende von seinen starken atmosphärischen Bildern lebt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Animationsfilm; Kurzfilm
Regie:Anja Großwig
Darsteller:Charlotte Knodel; Jelde Fleßner
Drehbuch:Anja Großwig
Kamera:Anja Großwig
Schnitt:Anja Großwig
Musik:Christiane Ottl
Länge:7 Minuten
Kontakt:animation@grosswig.com
Produktion: Anja Großwig
Förderer:Nordmedia

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Eine namenlose Großstadt, mittendrin zwei Menschen, die zusammenleben, doch deren Beziehung einfach nicht funktionieren mag - weil die beiden zu verschieden sind. Eine Geschichte, wie man sie wohl schon sehr oft zu sehen bekommen hat. Doch selten wurde sie in solche Bilder gefasst wie von Anja Großwig in ihren Film BRACE.

Allein schon die Art und Weise der Animation macht BRACE zu einem echten Seherlebnis: Auf rauem Untergrund wirken die Bilder, die überwiegend mit dem Rotoskopie-Verfahren realisiert wurden, wie bewegte Wandgemälde, die auf Schwarz, Weiß und Graustufen reduzierte Farbigkeit gibt dem Film einen existenzialistischen Look, der zu der Rauheit der Beziehung passt. Dabei driften die Bilder immer wieder ins Abstrakte, wenn beispielsweise die Gesichter sich nach einer abermaligen Enttäuschung geradezu aufzulösen scheinen.

Es ist eine dysfunktionale Beziehung der Abhängigkeiten und Kontrollbestrebungen, die sich nicht durch große emotionale Ausbrüche, sondern durch erstaunliche nuancierte kleine Gesten auszeichnet, die die eigentlich recht grobe Animation treffsicher einfängt. Bemerkenswert ist zudem, wie ausgezeichnet die Musik die beschriebenen Situationen untermalt, ergänzt und kommentiert und gelegentlich fast karikiert. Hinzu kommen Stadtimpressionen, die den Eindruck von Bedrückung, Verzweiflung und einem Gefühl des Gefangenseins kongenial ergänzen. Insgesamt ein sehr eindrucksvolles Werk, das lange nachwirkt.