blaubeeren - cerne jagody

Filmplakat: blaubeeren - cerne jagody

Kurzbeschreibung

Eine lyrische Geschichte über das Blaubeersammeln zeigt die enge Verbindung der Menschen dieser zweisprachigen Region der Lausitz zur Natur. Doch die Harmonie wird gestört.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Kurzfilm
Regie:Maja Nagel
Drehbuch:Maja Nagel; Julius Günzel
Kamera:Julius Günzel
Schnitt:Julius Günzel; Maja Nagel
Musik:Falk Joost
Länge:14 Minuten
Kontakt:eulanagel@gmx.de
Produktion: Maja Nagel
Förderer:FFA; BKM; SLM

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Eine Frau fährt mit dem Rad in den Wald und pflückt Blaubeeren. Sie erzählt, dass sie pro Jahr erstaunliche 80 Kilogramm davon erntet, und dass früher „an jedem Baum ein Fahrrad stand“. Später zeigt sie stolz, wie sie aus den Früchten Konfitüre kocht. Die Kamera versinkt fast mit ihr in den Blaubeersträuchern, zelebriert die Idylle des Waldes und die innere Ruhe dieses so naturverbundenen Menschen. Die Frau zeigt ihren Lieblingsplatz im Wald: eine Lichtung mit einer mächtigen Buche, die die Regisseurin Maja Nagel mit einer irritierenden, an Horrorfilme erinnernden Filmmusik vorstellt. Aber die Buche ist nicht bedrohlich, sondern bedroht. Dies wird durch Andeutungen deutlich, wie etwa Textzeilen in dem an dem Baum ausliegenden Heft („Die Buche muss bleiben“). Im Wald zeigen sich immer mehr Spuren der Zerstörung. Rauchende Kühltürme in der Ferne, breite Schneisen des Kahlschlags, ein einsamer Baum in einer Ödnis. Langsam wird die Entwicklung des Films von der Privatheit der beerenpflückenden Frau zum umfassenderen Thema der Vernichtung von naturbelassenen Landschaften deutlich. In einer poetischen Assoziationskette erscheint es immer klarer, dass der Wald dem Untergang geweiht ist. Wenn die alte Frau den Baum in einer Sequenz innig umarmt, wirkt dies wie ein endgültiger Abschied und tatsächlich sehen wir ihn danach nicht wieder. In einem aufgezeichneten Anruf teilt die Protagonistin der Regisseurin mit, dass der Baum nun gefällt wurde. Die letzte Einstellung wurde im Winter gedreht und zeigt den Stumpf der einst so majestätischen Buche. Nun liefert die Regisseurin in einem letzten Zwischentitel auch noch die Fakten zu dem vorher von ihr so stilistisch überzeugend dokumentierten Drama: Dem Braunkohlebergbau fallen immer mehr Wälder und ganze Dörfer zum Opfer und dadurch wird auch die Grundlage der Kultur der Sorben zerstört. Maja Nagel gelingt es, aus ihren dokumentarischen Bildern mit großer künstlerischer Fantasie und konsequentem Stilwillen ein filmisches Klagelied zu kreieren, das mit dem Prädikat wertvoll ausgezeichnet wird.