Die vierte Macht

Kinostart: 08.03.12
2011
Filmplakat: Die vierte Macht

FBW-Pressetext

Der deutsche Journalist Paul Jensen folgt zunächst unwillig dem Ruf einer Moskauer Society-Zeitschrift, die ihn als Berater anheuert. Sein Russisch ist schlecht, die Leute wirken reserviert und außerdem nerven ihn die Vergleiche mit seinem berühmten Vater, einem Politreporter. Nach und nach taucht er ein in die Glamourszene Moskaus und verliebt sich sogar. Doch eines Tages wird Paul Zeuge eines Gewaltverbrechens und er kann vor der Realität des politischen Russlands die Augen nicht mehr verschließen. Der neue Film von Dennis Gansel ist ein spannender Action und Verschwörungsthriller, der eine fiktive Situation auf der Basis wahrer Ereignisse durchspielt. Moritz Bleibtreu überzeugt in der Rolle des zunächst noch naiven Paul, der hinein gerät in einen undurchdringlichen Sumpf von Macht, Geld und Korruption. In krassem Gegensatz stehen die „coolen“ Sets der Moskauer High Society zu der düsteren Inszenierung der stetigen Bedrohung und Beobachtung. Die großartige Kamera und Musik tun ihr übriges, um eine dicht erzählte Paranoia-Atmosphäre zu erschaffen. Ein mutiger Film gegen die Ausnutzung staatlicher Macht.

Filminfos

Gattung:Thriller; Spielfilm
Regie:Dennis Gansel
Darsteller:Moritz Bleibtreu; Kasia Smutniak; Max Riemelt; Rade Serbedzija; Stipe Erceg; Mark Ivanir; Cosima Shaw; Michael Ihnow
Drehbuch:Dennis Gansel
Kamera:Daniel Gottschalk
Schnitt:Jochen Retter
Musik:Heiko Maile
Weblinks:zelluloid.de;
Länge:115 Minuten
Kinostart:08.03.2012
Verleih:Universal
Produktion: UFA Cinema GmbH, SevenPictures;
FSK:12
Förderer:FFA; MBB; FFF Bayern

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Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Wer sich ans Genre des politischen Thrillers heranwagt, muss hohe Ansprüche erfüllen. Es würde nämlich nicht ausreichen, bloß eine packende Geschichte zu erzählen, die Figuren ansprechend einzuführen und durch kalkuliert gesetzte Wendepunkte die Spannung zu halten. Das würde zumindest für ein Publikum, welches Seh-Erfahrungen mit diesem Genre hat, nicht ausreichen. Man muss also mehr bieten, für visuelle und akustische Spezialitäten sorgen und originelle Einfälle haben. Man sollte virtuos die ganze Bandbreite der subtilen filmischen Mittel bis hin zu den Effekten des internationalen Action-Kinos ins Spiel bringen. Nach Auffassung der FBW-Jury ist dies dem Regisseur Dennis Gansel und seinem Team erstaunlich gut gelungen. Auch die darstellerische Leistung von Moritz Bleibtreu in der Heldenrolle des Journalisten Paul Jensen konnte überzeugen. An seine Seite passt Kasia Smutniak als Katja ausnehmend gut. Den Protagonisten dürfte es gelingen, die (vor Spannung schneller schlagenden) Herzen des Publikums zu gewinnen. Auch die Gegenspieler sind aus besonderem Holz geschnitzt, so dass ein Figuren-Ensemble auf der Leinwand erscheint, welches das „Schachspiel der Macht“ trägt. Hiermit ist auf die Eigentümlichkeit des Films verwiesen. Er provoziert geradezu Diskussionen über Weltbürgerkriege, über Methoden des Machterhalts, über staatliche Sicherheitsmechanismen und natürlich die Rolle der Medien als „vierte Macht“. Auch der intellektuelle Reiz von Verschwörungstheorien kommt zur Geltung. Aber der Fokus liegt auf den russischen Verhältnissen und auf einer postum erschlossenen Vater-Sohn-Beziehung. Seltsam ist, dass dieser Themenkreis in jüngster Zeit auch literarisch tangiert wurde (- man denke an in anderem Milieu angesiedelte Bücher: Wolfgang Ruge: „Gelobtes Land“ bzw. an Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“). Das heißt, der Film kann nicht nur mit tagesaktueller Brisanz (russische Präsidentschaftswahlen am 4. März 2012) aufgeladen werden, sondern könnte vielleicht sogar ein nachhaltiges Potential besitzen, welches mit einigen Shakespeare-Dramen vergleichbar ist. Sympathisch wirkt dagegen der Idealismus, mit dem der Film die aufklärerische Funktion der Printmedien herausstellt und sogar eine Boulevardzeitung als trojanisches Pferd nutzt. Nach ausgiebiger angeregter Diskussion zu politischen und historischen Implikationen ging die Jury die handwerklichen Komponenten des Films durch und konnte auch hier gute und sehr gute Qualitäten ausmachen. Besonders gewürdigt wurden Auswahl und Arrangement von Drehorten, die Ausstattung der Szenen und die Variation der Schauplätze (mondäne Luxuswohnungen in architektonischen Juwelen, Straßenszenen, Gefängnis, Wohnblocks, Verkehrsstationen …). Die Kameraperspektiven ermöglichen sowohl subjektive Sichten, welche zu Empathie führen, als auch analytische Distanz. Nach guter alter Hegel-Regel bleibt der Held Paul lange naiv und wächst erst in scheinbar auswegloser Situation über sich hinaus. Für einen action-geladenen Thriller sind alle nötigen Elemente vorhanden und diese werden auch angemessen gehandhabt. Insofern steht dem Kinovergnügen nichts entgegen. Darüber hinaus hat der Film einen Mehrwert zu bieten: Machtstrukturen werden transparent, politische Lagen sind historisch-plausibel erfunden, kulturelle Lebensstile kenntlich und ernste Fragen werden aufgeworfen. Dennis Gansels Film liefert Zündstoff für spannende Diskussionen und besitzt daher besonderen Wert.