Das Cabinet des Dr. Caligari

Kinostart: 27.02.20
1919
Filmplakat: Das Cabinet des Dr. Caligari

Kurzbeschreibung

Dr. Caligari stellt auf dem Jahrmarkt ein somnambules Medium namens Cesare aus und lässt ihn hellsehen, eigentlich nutzt er ihn jedoch als Mordinstrument.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm
Regie:Robert Wiene
Darsteller:Werner Krauß; Conrad Veidt; Lil Dagover; Friedrich Feher; Hans H. v. Twardowski; Rudolf Lettinger
Drehbuch:Beate Hanspach; Carl Mayer
Kamera:Willy Hameister
Länge:71 Minuten
Kinostart:27.02.1920
Produktion: Decla-Bioscop
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Bewertungsausschuss hat dem Film das höchste Prädikat erteilt und ihn als Dokumentarfilm eingestuft. Damit kommt zum Ausdruck, dass das höchste Prädikat sich nicht zuletzt auf den dokumentarischen Wert dieses Films aus dem Jahre 1919 bezieht. Die Versuche einer expressionistischen Stilisierung der Filmkunst liegen weit zurück. Nur selten haben sie zu einer so konsequenten stilistischen Einheit geführt wie in diesem Film, den man ohne weiteres ein, wenn auch zeitbedingtes, Kunstwerk nennen darf.

Gerade heute, da wir uns von derartigen Versuchen einer kunstlerischen Stilisierung im Film weit entfernt haben, kann der Film DAS CABINETT DES DR. CALIGARI als ein besonders interessantes Beispiel dafür angesehen werden, dass auch im Film die Künstlichkeit der Kunst sehr eindrucksvoll angewendet werden kann.

In keiner einzigen Bildfolge hat man versucht, das Atelier zu vertuschen, ganz im Gegenteil: das gesamte Dekor ist bewusst und stets sichtbar auf Atelier abgestellt. Es gibt in diesem Film keine reale Welt. So gewannen hier vor allem die Bauten eine Bedeutung, die ihnen im gegenwärtigen Film kaum noch zufällt. Es sind die Bauten, die den Stil des Films bestimmen. Das Interieur der Irrenanstalt, um nur ein einziges Beispiel anzuführen, ist in seiner suggestiven Kraft nahezu unentrennbar.

Die so stark auf die Gebärde und ein künstlich gesteiertes Minenspiel abgestimmte Schauspielkunst des Stummfilms kommt dem Stil dieses Films sehr entgegen. Es ist der Regie gelungen, die Schauspieler zu intensiven Expressionen anzuleiten. So entstand eine seltene Einheit zwischen dem Dekor eines Films und dem Stil der Darstellung. Allen voran gaben sich Werner Krauß und Conrad Veidt mit ihrer Spielweise aus jeder realistischen Darstellung vollkommen entfernt. Gerade in einer Zeit des neorealitischen oder sozialkritischen Films, der sich mehr an das dokumentarische Element des Films anlehnt, kann man solchen Expressionen in der Darstellung nur mit Verblüffung, aber sicher auch mit einigem künstlerischen Gewinn folgen.

Es versteht sich von selbst, dass dieser Film nicht mehr ohne eine musikalische Untermalung gezeigt werden kann. Der Ausschuss ist der Meinung, dass das Problem einer nachträglich hinzugefügten Begleitmusik glänzend gelöst wurde. Die Musik akzentuiert die einzelnen Szenen ausgezeichnet und hilft damit zum Verständnis dieses mehr als vierzig Jahre alten Films.