William Shakespeares Romeo + Julia

Kinostart: 13.03.97
1996
Filmplakat: William Shakespeares Romeo + Julia

Kurzbeschreibung

Aufwendiger filmischer Versuch, das zeitlose Shakespeare Drama in die Gegenwart zu übertragen und sich vor dem Hintergrund der desolaten Zustände in amerikanischen Großstädten abspielen zu lassen.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm; Romanze
Regie:Baz Luhrmann
Darsteller:John Leguizamo; Leonardo DiCaprio; Claire Danes
Drehbuch:Craig Pearce
Buchvorlage:William Shakespeare
Kamera:Donald McAlpine
Schnitt:Jill Bilcock
Musik:Nellee Hooper
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:120 Minuten
Kinostart:13.03.1997
Verleih:Fox
Produktion: Bundesbeauftragte für Kultur*, Twentieth Century Fox;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Die grelle Monumentalität und Bombastik dieses eigenartigen, postmodernen Filmdramas, dessen videoclipartige Bildkaskaden erbarmungslos auf den Zuschauer niederprasseln, befremdet und verblüfft zunächst und droht zum Selbstzweck zu werden.
Der shakespearische Originaltext scheint inmitten dieser turbulenten und konsequent schwülstig und kitschig erzählten Geschichte unrettbar verloren bzw. quasi lächerlich kalt gestellt.

Dann aber gerät der Zuschauer zunehmend in den Bann der naiv-romantisch überzogenen Darstellung der beiden Liebenden. Die jungen Darsteller sind dabei anrührend und frisch, hingebungsvoll und so voller Edelmut, daß man ihnen die Anteilnahme nicht versagen kann. Sie agieren in einer Welt von Kunstgewerbe und lächerlichem Kitsch, aber auch ausgestelltem Perfektionismus einer opernhaften Endzeitszenerie, auf den Punkt gebracht in der großen Schlußszene, die den Tod als Apotheose zelebriert.
Als Zuschauer ist man zunehmend überrascht, daß die ästhetischen Verabredungen funktionieren und erstaunt, daß der Text dann über Strecken erfrischend lebendig wirkt.

Allerdings ist sich der Ausschuß bewußt, daß dies eine Gratwanderung ist. Einerseits wird so eines der großen Dramen der Weltliteratur modern verfremdet und in ein attraktives Verpackungsmaterial gehüllt und konsumgerecht vor allem für die jüngeren Zuschauer aufbereitet. Andererseits sehen die Mitglieder des
Bewertungsausschusses auch die Gefahr einer nur modischen Verfremdung, die die eigentliche Grundkonstellation der literarischen Vorlage nur als Kürzel benutzt und unzulässig versimplifiziert.