Unkenrufe

Kinostart: 22.09.05
2005
Filmplakat: Unkenrufe

FBW-Pressetext

In sich geschlossene und werkgetreue Umsetzung der Erzählung von Günter Grass über deutsch-polnische Beziehungen, die den Ton und Geist der Vorlage trifft und in Gestaltung und Darstellung voll überzeugt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Satire
Regie:Robert Gli?ski
Darsteller:Matthias Habich; Krystyna Janda; Bhasker Patel; Udo Samel; Dorothea Walda
Drehbuch:Klaus Richter; Pawell Huelle; Cezary Harasimowicz (n.d. Erzählung v. Günter Grass)
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:98 Minuten
Kinostart:22.09.2005
Verleih:NFP
Produktion: Ziegler Film Köln GmbH, Ziegler Film; Filmcontract; Killerpic;
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Ein interessantes Filmprojekt, ein mit seinem satirisch zugespitzen Thema überaus aktueller Film ist diese polnisch-deutsch-britische Koproduktion nach einer Erzählung von Günter Grass. Großes, gutes europäisches Kino ist das, mit herausragenden Hauptdarstellern: Matthias Habich und Krystyna Janda sind ein Filmpaar wie für die Kinoewigkeit geschaffen. Jeder Blick, jede Geste stimmen. Ihnen zuzuschauen ist ein Fest der Sinne.

Zugleich wird der Film auch ein Ort der politischen Erfahrung. Mit der Öffnung der Eisernen Vorhänge im ehemals kommunistischen Osten Europas begegnen sich nicht nur Menschen. Da reibt sich Geschichte an der Gegenwart, da springen Funken. Anfangs sprühenden Witz schlägt der Film aus seiner Grundidee, interessierten Vertriebenen des II. Weltkrieges, die Möglichkeit einer Beerdigung in „Heimat“-Erde zu ermöglichen. Versöhnungsfriedhof nennt sich das Vorhaben und in dem deutsch-polnisch-litauischen Joint-venture dekliniert der Film, was Krieg und Vertreibung in Köpfen und Seelen und Völkern angerichtet haben.
Das eigentlich tod-ernste Thema entgleitet aber zusehends, die realitätstüchtigen Protagonisten sind nicht auf überspitzte Satire zugeschnitten, sie haben bereits zuviel achtens- und liebenswertes Eigenleben entfaltet, um nun zu Schießbudenfiguren zu werden. So wird der Film zunehmend Behauptung, seine Figuren (vor allem die Protagonisten auf deutscher Seite) drohen ihm zu entgleiten - ein ernsthaftes dramaturgisches Problem.

Aber es überwiegen viele großartige filmische Elemente, sogar noch die banale Bezahlung einer Autoreparatur wird zu einer Szene, die auf jede Einzelheit achten läßt. Bemerkenswert auch die Vielschichtigkeit des Themas Tod und Erotik und besonders achtenswert die Diskussion um den Begriff Heimat.