The Weather Man

Kinostart: 19.01.06
2005
Filmplakat: The Weather Man

FBW-Pressetext

Die Tragikomödie eines (etwas) lächerlichen Mannes und darüber hinaus eine bissig-böse Bestandsaufnahme der Kosten beruflichen Erfolgs. Männerbilder, gegen den Strich gebürstet. Schräg, riskant, intelligent, ungewöhnlich.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Gore Verbinski
Darsteller:Michael Caine; Nicolas Cage; Hope Davis
Drehbuch:Steven Conrad
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:102 Minuten
Kinostart:19.01.2006
Verleih:Universal
Produktion: Paramount Pictures, Escape Artists;
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Die Tragödie eines (etwas) lächerlichen Mannes, mit scheinbar leichter Hand erzählt und ästhetisch stilsicher gestaltet, das ist „The Weather Man“. Männerbilder werden hier gegen den Strich gebürstet, die Kosten beruflichen Erfolgs werden hinterfragt - und das alles in unterhaltsamer Form.

Winter in Chicago, ein wunderschönes Eingangsbild, und dann: Zwei Stunden lang fast ausschließlich Nicolas Cage in der Halbtotalen, in der Nah- und in der Großaufname - obwohl es sich bei „The Weather Man“ handwerklich um einen Hollywoodfilm von gewohnter, also hoher Qualität handelt, war allein diese ständige Präsenz des top-bill-Stars Quelle einer lang anhaltenden und hitzigen Diskussion im Bewertungssausschuss.

Lohnt es sich, einem Mann zwei Stunden zuzusehen, der offensichtlich wenig mehr beherrscht als das Vorhersagen des Wetters vor einer blue oder green box - das Wetter, von dem er im Grunde kaum mehr versteht als sein Teleprompter, dafür aber im Gegensatz zu jenem mit einem fürstlichen Gehalt entlohnt wird? - Der eine Ehe an die Wand gefahren hat, doch die Zeichen der Zeit, sprich: eines konsequenten Neuanfangs danach, noch lange nicht versteht? - Der zwei Kinder hat, um die er sich kümmern möchte, was bei der Tochter zu einem kleinen und durchaus anrührenden Teilerfolg führt, den Sohn jedoch, der von außen tatsächlich erheblich gefährdeter ist und deshalb umso tiefer stürzen lässt, je mehr dem Vater die Augen in seinem Fall verschlossen bleiben? - Der schließlich mit dem eigenen Vater (auffällig präsent: der stoische Michael Caine) längst in Rituale des Austauschens erstarrter Allgemeinplätze verfallen ist, so dass der die Verlaufszeit des Films bestimmende endgültige Abschied vom Vater beim Zuschauer ein weiteres unbefriedigtes Gefühl jener Erwartung hinterlässt, die er einem gängigen Film dieser Provenienz nun einmal entgegenbringt? Kurz: Darf ein Film sich so sehr um seine Hauptperson und so wenig um deren Mitmenschen kümmern?

„Nein“, meinte eine Minderheit des Ausschusses und verschloss sich einer (den Film) rettenden Argumentation.
„Partiell“, meinte ein anderer Teil, und anerkannte den Preis der Anpassung an den amerikanischen Traum vom Erfolg, der noch den mittelmäßigsten Mann an die Spitze bringen kann, solange er seinen Tribut entrichtet.
„Mit großer Emphase ja!“, war die Ansicht des übrigen Ausschusses, der dem Film attestierte, eine für sich äußerst stringente und ästhetisch vollkommen geschlossene Studie einer Persönlichkeit zu sein, die aus wenig mehr besteht als aus Oberfläche, dies zumindest jedoch zu begreifen beginnt und in der letzten Bewegung des Films wohl auch ganz bewusst zu Protokoll gibt.

Ein anderer Punkt der strittigen Auseinandersetzung war die Tauglichkeit des Films zur verallgemeinerbaren Bedeutung des von Cage gewohnt stoisch ins Bild gebrachten Mannes in der Krise. Ist nur der individuelle „Wetterfrosch“ - aus nachvollziehbar-triftigen Gründen - in der Krise? Oder geht es in „The Weather Man“ generell um den erfolgsfixierten amerikanischen Mann, der seine eigene Wertigkeit in der Regel an der Zahl der Nullen auf seinem Gehaltsscheck bemisst? Handelt es sich vielleicht gar um die Fanfare einer nunmehr einsetzenden Männerbewegung, wie sie derzeit auch andere Filme ausstoßen, immerhin 30 Jahre nach Wim Wenders’ Aufforderung, im Lauf der Zeit müsse auch mit den Männern einmal „alles anders“ werden?

Auf Fragen solcher Dimensionen kann man mit „The Weather Man“ durchaus kommen. Alleine schon deshalb gab die große Mehrheit einer überaus engagierten Bewertungskommission dem Film am Ende ein Prädikat.