Schau mich an!

Kinostart: 18.11.04
2004
Filmplakat: Schau mich an!

FBW-Pressetext

Komödie oder Tragödie? Jaouis zweiter Film erstellt ein sehr komplexes Psychogramm zwischenmenschlicher Beziehungen im Pariser Intellektuellenmilieu. Ein ironisches, anspruchsvolles, nur scheinbar mit leichter Hand inszeniertes Zeit- und Gesellschaftsbild.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Komödie; Romanze
Regie:Agnès Jaoui
Darsteller:Jean-Pierre Bacri; Marilou Berry Virginie Desarnauts Laurent Grevill Agnès Jaoui
Drehbuch:Agnès Jaoui; Jean-Pierre Bacri
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:111 Minuten
Kinostart:18.11.2004
Verleih:Prokino Filmverleih
Produktion: Les Films A 4, Studiocanal; France 2 Cinéma;
FSK:0

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Nie mit dem Zeigefinger, niemals didaktisch und in der Tradition großer französischer Filme erzählt Regisseurin Agnès Jaoui ihre komplexe, anspruchsvolle Geschichte. Aus vielen Facetten und in gut durchkomponierten Handlungssträngen entsteht ein Gruppenbild mit Monster. Das narzistische Ungeheuer ist der erfolgreiche, aber ausgebrannte Schriftsteller Etienne, der als Vater der molligen 20-jähigen Lolita ein Versager und Ignorant ist. Um ihn gruppieren sich einige Freunde, dazu eine weit jüngere Ehefrau und ein jüngerer Schriftstellerkollege, dessen Frau die Tochter Lolita im Gesang unterrichtet. Alle sind sie intellektuell, des Sprechens und des Schweigens und so mancher Gemeinheit mächtig, und sie haben Kommunikationsprobleme.
Die Geschehnisse eskalieren bei einem Wochenende auf dem Lande und dann bei einem Chor-Konzert. Aber eigentlich ist das alles unerheblich, soweit das in einem französischen Film unerheblich sein kann. Jedes Wort und jede Geste liegen natürlich auf der Waage, der Film arbeitet auf wunderbare Weise mit Andeutungen, er lenkt die Sensibilität und Aufmerksamkeit der Zuschauer mit hoher Kunst. Und er führt mit scheinbar leichter Hand, so als sei es keine Anstrengung, einen hochverdichteten, unterhaltsamen und mileukritischen Film zu gestalten. Alles ist glaubhaft und interessant und dabei menschlich. Es gibt viele kleine wunderschöne Momente, kleine Gesten und scheue Blicke. Erwähnt sei nur als Beispiel die Nebenfigur des jungen Studenten, der es „nicht einfach“ mit seiner Lolita hat. Nachvollziehbar bleibt auch stets, wie die Gesangslehrerin und ihr Mann, der Schriftsteller, immer mehr in das Beziehungsgeflecht hineingezogen werden.
Neben aller Buch-, Regie- und Darstellungsleistung ist es auch die musikalische Ebene, die dem Film Kraft und Tiefe gibt, hier vor allem die Lieder von Schubert, Monteverdi und Mozart. So rundet sich der Film zu einem schönen Ende. Das höchste Prädikat der FBW ergab sich einstimmig.