Filmplakat: Moon Over Da Nang

FBW-Pressetext

Da Nang ist die viertgrößte Stadt Vietnams. Während der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert geriet die Stadt unter französische Herrschaft, im Jahr 1965 landeten zu Beginn des Vietnamkrieges die ersten US-Kampftruppen am sogenannten „China Beach“. 1975 kamen dann die kommunistischen Truppen. Der Filmemacher Bjørn Melhus lässt in seinem neuen Film MOON OVER DA NANG Menschen aus Da Nang von all den Einflüssen berichten, die die Invasoren auf Da Nang hatten. In den kurzen aber prägnanten Interviews erfährt der Zuschauer enorm viel über die komplexe geschichtliche Situation des Ortes. Darüber hinaus verbindet Melhus die Erzählung Bildern, Einspielern und Eindrücken der Mondlandung aus dem Jahr 1969. Zusammen mit einem ganz eigenen und stimmigen Rhythmus der Montage erhält der Film eine übergeordnete spielerische und gestalterisch freie Ebene, die viele Assoziationen weckt. Anspruchsvolles experimentelles Kurzfilmkino vom Feinsten.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Dokumentarfilm; Experimentalfilm; Kurzfilm
Regie:Bjørn Melhus
Darsteller:Bjørn Melhus
Drehbuch:Bjørn Melhus
Kamera:Ben Brix
Schnitt:Bjørn Melhus
Musik:Malte Beckenbach
Länge:15 Minuten
Kontakt:info@melhus.de
Produktion: Limboland Productions Bjørn Melhus
Förderer:FFA; BKM

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Sinngemäß heißt es in einem dem Film vorangestellten Zitat, dass die Astronauten, die 1969 als erste Menschen auf dem Mond landeten, wahrscheinlich mehr über diesen fernen Himmelskörper wussten als über Vietnam. In seinem vielschichtigen, assoziativ zusammengefügten Film MOON OVER DA NANG begibt sich der Filmemacher Bjørn Melhus nach diesem einleitenden Zitat, das den Vietnamkrieg mit der ersten Mondlandung miteinander in Beziehung setzt, vor Ort auf Spurensuche und begegnet Menschen, die er beobachtet und deren vielsprachigen Geschichten und Erinnerungen er lauscht. Da sind beispielsweise die Arbeiter, die in einem Marmorsteinbruch arbeiten - aus dem edlen Material, das sie dort abbauen, wird später ein überaus hässlicher, aber immerhin aus Marmor herausgehauener Astronaut entstehen. Womit einer der vielen Fäden, der Melhus aufhebt, sich wieder mit anderen Motiven und Elementen verbindet.

Überhaupt ist die Vielschichtigkeit einer der Pluspunkte des Films: Sie ermöglicht verschiedene Sichtweisen, macht Querverbindungen sichtbar, die man so noch nie gesehen hat, die hier aber ganz selbstverständlich erscheinen, was auch am klugen Arrangement der verschiedenen Bruchstücke und Fragmente liegt. Mit viel Witz (vor allem bei den Cameo-Auftritten), einem guten Sinn für Rhythmus und überraschende Querverbindungen sowie mit sicherem Gespür für den kulturellen und symbolischen Gehalt von Bildern gelingt es Bjørn Melhus, das Interesse und die Neugier des Zuschauers für den Ort und seine Bewohner zu wecken. Und der Film ist zugleich auch eine Einladung dazu, ungewohnte Wege zu gehen, neue Sichtweisen zu entwickeln und neugierig für Überraschendes zu sein - gerade in Zeiten wie diesen ist solch ein offener Blick unerlässlich und wichtig.