Letztendlich sind wir dem Universum egal

Kinostart: 31.05.18
2018
Filmplakat: Letztendlich sind wir dem Universum egal

FBW-Pressetext

Zu Herzen gehendes romantisches Drama nach dem gleichnamigen Bestseller über eine mysteriöse Seele namens „A“, die jeden Tag in einen anderen Körper schlüpft – und sich hoffnungslos in ein gleichaltriges Mädchen verliebt.

Im Grunde sollte sich Rihannon freuen. Ihr Freund Justin ist sonst nie so nett. Normalerweise ist er abweisend, macht auf cool und lässt Rihannon nicht an sich ran. Doch auf einmal hört er ihr zu, ist liebenswürdig und widmet ihr seine ganze Aufmerksamkeit. Aber am nächsten Tag ist Justin wieder der Alte. Dafür lernt sie eine neue Mitschülerin kennen, die nur noch Augen für sie hat. Am nächsten Tag dann ist es wieder eine andere Person, zu der Rihannon sofort eine Verbindung spürt. Und als sich dann eines Tages ein Mädchen zu ihr setzt und ihr erzählt, es sei eine Seele namens „A“, die jeden Tag in eine andere Person schlüpfe, traut Rihannon ihren Ohren nicht. Und doch kann sie nicht anders als sich Hals über Kopf in „A“ zu verlieben. Doch wie liebt man jemanden, von dem man am nächsten Morgen nicht weiß, wie er aussieht? Oder wo er sich genau befindet? LETZTENDLICH SIND WIR DEM UNIVERSUM EGAL ist die Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Jugendromans von David Levithan, der im Jahr 2015 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt. Statt einer langen Einführung wird der Zuschauer direkt mit Rihannon, die von der Neuentdeckung Angourie Rice erfrischend natürlich und sympathisch dargestellt wird, in die Geschichte „geworfen“. Zusammen mit ihr erkundet man das Geheimnis rund um „A“ und sieht dieses Wesen, welches in immer neue Körper schlüpft, mit ihren Augen. Das Wundervolle an „A“ ist dabei die herrlich lebensbejahende Einstellung – nicht nur Rihannon, sondern auch Menschen generell gegenüber. Ob dick oder dünn, schwarz oder weiß, Mädchen oder Junge – „A“ kann in jedem Körper wohnen und respektiert den Menschen, den es für einen Tag bewohnt. Und auch für Rihannon ist es mehr und mehr unwichtig, wie der Mensch aussieht, in den sie sich da gerade verliebt. Denn es sind nur die inneren Werte, die zählen. Eine grundpositive Einstellung und Botschaft, die für jeden Zuschauer nachvollziehbar und nachahmenswert ist. Das Drehbuch von Jesse Andrews liefert spritzige Dialoge und kleine aber sehr feine zwischenmenschliche Momente, die Regie von Michael Sucsy ist ebenso souverän wie die schöne Kamera und der Soundtrack, der die sommerleichte Stimmung des Films perfekt unterstreicht. LETZTENDLICH SIND WIR DEM UNIVERSUM EGAL ist ein romantisches Drama, von dem man sich nicht nur als junger Zuschauer im Kino davontragen lassen kann.

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Michael Sucsy
Darsteller:Maria Bello; Angourie Rice; Debby Ryan; Justice Smith; Colin Ford
Drehbuch:Jesse Andrews
Buchvorlage:David Levithan
Kamera:Rogier Stoffers
Schnitt:Kathryn Himoff
Musik:Elliott Wheeler
Länge:97 Minuten
Kinostart:31.05.2018
Verleih:Splendid Film
Produktion: FilmWave, Likely Story; Silver Reel; Spy Kids 4 SPV; Metro-Goldwyn-Mayer;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von David Levithan gelingt Regisseur Michael Sucsy ein bemerkenswerter Liebesfilm, der insbesondere auch (aber keineswegs ausschließlich) für ein jugendliches Publikum zu empfehlen ist. Erzählt wird die Liebe der 16-jährigen Rihannon zu “A“, einer Seele, die in keinem eigenen Körper geboren wurde, sondern deren Schicksal darin besteht, täglich in einem anderen aufzuwachen. Was nach einer paranormalen Romanze à la “Twilight“ klingt, entpuppt sich als ein auf erstaunliche Weise geerdeter Liebesfilm. Michael Sucsy zeigt sich in keiner Weise interessiert am Fantasy-Aspekt der Geschichte, die sich zweifelsohne mit großem Effektaufwand ausschlachten ließe. Vielmehr siedelt er den Film so gekonnt im Alltag der jugendlichen Protagonisten an, dass das paranormale Moment vom Zuschauer schnell als gegeben akzeptiert wird. Und so bleibt viel Raum für die in dieser Grundidee verborgenen Botschaften, sich nachhaltig zu entfalten.
Zum Beispiel, dass es beim Menschen nur auf die inneren Werte ankommt. Denn Rihannon liebt “A“ganz unabhängig von seinem täglich wechselnden Aussehen – und auch unabhängig von seinem wechselnden Geschlecht. Als Frau küsst sie “A“ genauso gerne wie als Mann, mehr noch bleibt eine Geschlechtsspezifizierung von “A“ ausdrücklich komplett aus. Damit berührt der Film immer wieder auf erstaunlich unaufdringliche Art Themen rund um Homosexualität, Geschlechtslosigkeit oder Transgender und zeigt in seiner leisen, unaufgeregten Art ganz allgemein, dass alle Menschen verschieden sind und das auch sein dürfen.
In den Stilmitteln bleibt der Film mit seiner Continuity-Auflösung gänzlich konventionell, ist aber handwerklich sauber und der Erzählung angemessen umgesetzt. Rihannon wurde als eigenständige und facettenreiche Mädchenfigur angelegt und trägt den Film mühelos. Neben den vielen qua Plot zwangsweise nur angedeuteten Stereotypen, mit denen “A“s »Wirtsfiguren« gezeichnet werden, ragt außerdem besonders Rihannons Vater heraus. Nach einem psychischen Zusammenbruch malt er reihenweise Gesichter, hinter denen er sich ähnlich versteckt wie “A“ hinter seinen „Wirten“. Dass einzig ausgerechnet “A“ mit seinen ausnahmslos positiven Charakterzügen etwas eindimensional bleibt, hat die Jury von ihrer ausdrücklichen Filmempfehlung nicht abhalten können.