Lapislazuli - Im Auge des Bären

Filmplakat: Lapislazuli - Im Auge des Bären

FBW-Pressetext

Eine ungewöhnliche Idee und eine Geschichte mit Tiefgang, ein besonderer Film für Kinder und Jugendliche. Liegt es daran, dass die Hauptfigur ein Mädchen ist, das einen Neandertaljungen findet? Selbst schwierige Themen wie der Umgang mit Abschied und Tod werden hier spannend und verantwortlich behandelt.

Filminfos

Gattung:Drama; Kinder-/Jugendfilm
Regie:Wolfgang Murnberger
Darsteller:Clarence John Ryan; Julia Krombach; Paula Nocker
Drehbuch:Volker Krappen; Wolfgang Murnberger
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:106 Minuten
Kinostart:24.08.2006
Verleih:Fox
Produktion: Dor Film Produktionsgesellschaft m.b.H., DOR Film
FSK:0

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Am Anfang stürzt ein kleiner Meteorit auf die Erde und fällt in eine Gletscherspalte, am Ende sieht man wieder den Himmel und dort oben das „Auge des Bären“, jenes Sternbild, zu dem der kleine Held des Films seine lange Reise angetreten hat.
Der junge Neandertaler, der durch den Meteoriten aus seinem todesähnlichen Schlaf in der Gletscherspalte nach Tausenden von Jahren geweckt wurde, kehrt zu seiner Familie zurück, die lange vor ihm zu den Sternen aufgebrochen war. Dazwischen liegen viele dramatische Ereignisse, die um die Themen Familie, Freundschaft und Tod kreisen. Die Geschichte vom jungen Neandertaler, der in der einsamen Bergwelt der Hochalpen lebt, beziehungsweise zum Leben wieder erweckt wird, klingt zwar eher phantastisch – aber wir feiern ja in diesem Jahr den 150. Jahrestag der Entdeckung der Neandertaler. Da wundert es nicht, wenn auch in einem Kinderfilm ein Neandertaler auftaucht, den es ins Heute verschlagen hat.
Der Neandertaler Bataa, dem die 13-jährige Sophie begegnet, als sie ihre Patchworkfamilie bei einem Urlaub in den Bergen im Zorn verlässt, wird zum Katalysator für sehr typische Probleme von Kindern unserer Zeit: Erwachsene, die keine Zeit für ihre Kinder haben, immer mit etwas Wichtigerem beschäftigt sind, nicht mehr zuhören können und vor allem Kindern nicht glauben, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählen, Familien, die mühsam zusammen geflickt werden und dennoch keine Harmonie ergeben, und all die negativen Erscheinungen einer lauten Umwelt, wie sie aus der Perspektive des Jungen aus der Steinzeit geschildert werden: schrill, grell und hektisch und gefährlich.
Das wichtigste Thema aber dieses Films ist die Auseinandersetzung mit dem Tod – eine Thematik, die nicht nur Kinder sehr bewegt, und die hier in kindgemäßer Weise, sehr verantwortlich und auch sehr sensibel und nachvollziehbar behandelt wird. Durch ihre Freundschaft zu Bataa lernt Sophie, die ihre Mutter verloren hat, mit dem Phänomen von Sterben und Tod klar zu kommen. In der Auseinandersetzung mit dieser Thematik liegen die stärksten Momente des Films, der nicht immer seinen eigenen Zielen konsequent folgt und durch Charaktere wie den Pseudo-Wissenschaftler Heckl, einer völlig überdrehten Figur wie aus dem Kasperletheater, einige starke Momente verschenkt. Auch die Figur des Einsiedlers, der als Medium zwischen der Welt von Gestern und dem Heute agiert, wirkt nicht immer überzeugend. Umso beeindruckender aber sind die herrlichen Landschaftsaufnahmen der Hochalpen, einer Naturkulisse, bei deren Anblick man durchaus noch an die Existenz von Neandertalerhöhlen und Steinen, die vom Himmel fallen, glauben möchte.