Land of Plenty

Kinostart: 07.10.04
2004
Filmplakat: Land of Plenty

FBW-Pressetext

Wenders sehr persönliche Beschreibung amerikanischer Alpträume (Vietnam, 11.09., Terror) ist eine anrührende Familiengeschichte und zugleich eine Bewußtmachung von Schattenseiten (Hunger, Obdachlosigkeit in L.A.),
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:Wim Wenders
Darsteller:John Diehl
Drehbuch:Wim Wenders; Michael Meredith
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:124 Minuten
Kinostart:07.10.2004
Verleih:Reverse Angle Pictures
Produktion: Reverse Angle Production GmbH, Independent Digital Entertainment; Inc.;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Der 11. September 2001 hat nicht nur amerikanische Filmemacher zu Filmen über den wachsenden Terrorismus in der Welt inspiriert, sondern auch Wim Wenders, der ja ein intimer Kenner Amerikas ist. Im Zentrum von „Land of Plenty“ steht die Frage, was in den USA seitdem anders geworden ist, wie einzelne Menschen auf ihre Art mit dem 11. September und den Folgen umgehen und was dieses Ereignis auch im Alltag bedeuten kann. Es ist das Porträt eines zutiefst verunsicherten Landes, das durch diesen Terrorakt zusätzlich noch erschüttert wurde und in dem Gewalt längst Teil des Alltags geworden ist. Aber das allein wäre ein zu einseitiges Bild von Amerika, das neben Schattenseiten auch noch immer lichte Momente hat und als Zufluchtsort für Emigranten und Verfolgte auch heute noch eine gewisse Rolle spielt. Wenders zeigt diese zwei Gesichter Amerikas in der Geschichte zweier Menschen, die sich vor dem Hintergrund dieser Welt, die aus den Fugen geraten ist, treffen: Paul Jeffries ist ein Vietnamveteran, der noch immer unter dem Trauma des Dschungelkrieges leidet und durch den Terrorakt am 11. September an seine schlimmsten Alpträume erinnert wurde und diese wieder aufleben läßt. Sein Bestreben ist es, Terroristen rechtzeitig zu erkennen und diese an neuen Terrorakten zu hindern. Als selbsternannter Terroristenjäger zieht er wie Terminator persönlich durch die Straßen von L.A. Und tatsächlich entdeckt er einen "Araber", den er als verdächtige Person verfolgt und bespitzelt. Pauls zerstörtes Weltbild, das nur noch von Mißtrauen und Furcht und damit von Haß geprägt ist, wird aber konterkariert durch seine junge Nichte, die aus Israel kommend in L.A. in einer Obdachenlosenmission Unterschlupf findet und Kontakt zu ihrem spröden, seelisch verknöcherten Onkel aufnimmt. Ihre Welt ist zwar auch nicht heil, aber noch immer geprägt vom Prinzip Hoffnung. Aus dieser Konfrontation bezieht „Land of Plenty“ seine Spannung. Doch ehe die Geschichte richtig ins Rollen kommt, vergeht sehr viel Zeit, die vom Betrachter einen langen Atem fordert. Gute Darsteller – allen voran John Diehl in der Rolle des alten Vietnamveteranen – schöne Bilder, die für Wenders typische Farbsymbolik und vor allem die Musik, bei der Leonard Cohens Song über „Land of Plenty“ besonders heraussticht, können nicht darüber hinweg helfen, daß der Plot manchmal allzu bizarr und gewollt wirkt, die Dramatik sich etwas schwerfällig entwickelt und das Ende allzu aufgesetzt ist.