Knallhart

Kinostart: 09.03.06
2005
Filmplakat: Knallhart

Kurzbeschreibung

Hauptstadtrealität: Ein fünfzehnjähriger Schüler in Berlin gerät ins kriminelle Milieu.

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Drama
Regie:Detlev Buck
Darsteller:David Kross; Erhan Emre; Jenny Elvers-Elbertzhagen
Drehbuch:Zoran Drvenkar; Gregor Tessnow (n.d. Buch von Gregor Tessnow)
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:99 Minuten
Kinostart:09.03.2006
Verleih:Delphi
Produktion: Boje Buck Produktion GmbH
FSK:12
Bildungseinsatz:matthias-film.de;

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Den fünfzehnjährigen Michael verschlägt es aus einem bürgerlichen Stadtteil von Berlin an einen sozialen Brennpunkt im Stadtteil Neukölln, wo die Gesetze der Straße, sprich von Jugendbanden, gelten. Schnell muss Michael die Bekanntschaft mit Erol machen, dem Anführer einer minderjährigen Straßengang. Die Bande vertreibt sich die Zeit mit Überfällen, vornehmlich auf gleichaltrige Jugendliche, denen sie Bargeld, Handys und verwertbare, angesagte Turnschuhe und Klamotten abnehmen. Wer nicht freiwillig herausgibt, was verlangt wird, der wird ohne langes Fackeln brutal zusammengeschlagen.

„Knallhart“ ist eine beindruckende Jugendstudie, die einen Blick in den aktuellen Stand der Integrationsbemühungen der Gesellschaft gegenüber den jugendlichen Mitbürgern ausländischer Herkunft wirft, ohne rassistischen Klischees anheim zu fallen. Über große Strecken geradezu atemlos dicht und eindringlich, zeigt der oft dokumentarisch anmutende Film die aktuellen Entwicklungen der Jugendszene an einem sozialen Brennpunkt. Für das „normale“ deutsche Kino, vom Fernsehen ganz zu schweigen, wirkt Detlev Bucks Inszenierung, als handle es sich um eine Art Paralleluniversum zu unserer behüteten Welt. Nicht zuletzt lässt der Film auch ahnen, welches Pulverfass sich Ende letzten Jahres in Frankreichs Großstädten entladen hat.

Michael steht vor der Wahl, sich seiner neuen und gewalttätigen Umwelt widerstandslos zu ergeben oder sich eine blutige Nase zu holen, als er von übergeordneten, erwachsenen Bandenführern für Drogengeschäfte angeworben wird. Seine so gestartete kriminelle Karriere schützt ihn vor den Übergriffen der Kleinganoven, weil die es nicht wagen, sich mit einem Mitarbeiter der erwachsenen Profis anzulegen.

Dramaturgisch ausgeklügelt und schnörkellos bei der Sache, hat der beeindruckende und rasant geschnittene Film eine atmosphärisch dichte Erzählstruktur, die den Überlebenskampf in Berlins dunklen Winkeln beleuchtet, ohne etwas zu beschönigen.
Die teilweise dröhnende Musik mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber sie passt hervorragend zum Film, ist ähnlich kompromisslos.

Herausragend der junge Hauptdarsteller David Kross als Michael, der mit einem sich verfinsternden Engelsgesicht der Gewalt trotzt und lernt, die Gesetze der Straße mitzuspielen, bis ihn das selbst am Ende in eine Sackgasse führt. Spätestens hier zeigt sich, dass der Filmtitel es verdammt ernst meint. Das Filmende hallt noch lange nach.
Solch einen wuchtig-harten Film hat das deutsche Kino nicht jedes Quartal.

Zu den Erstaunlichkeiten des Films gehört auch die Mutter des auf die schiefe Bahn geratenen Michael. Gespielt wird sie von Jenny Elvers-Elbertzhagen, die in Detlev Buck den perfekten Regisseur gefunden hat.