Filmplakat: Gabi

FBW-Pressetext

Das Leben ist halt so, wie es ist. Gabi weiß das. Also erledigt sie mit Routine ihre Arbeit als Fliesenlegerin, obwohl sie weiß, dass es ihrem Rücken schadet, kümmert sich um ihren kranken Vater, weil ihre Schwester sowieso nie Zeit dafür hat, und macht die Wäsche für ihren Ehemann, der sie ständig betrügt. Als ihr Azubi Marco sie darum bittet, mit ihr das Schlussmachen mit seiner Freundin zu „proben“, ist Gabi zunächst genervt. Doch dann merkt sie, dass das Spielen ihr Spaß bereitet und sie so, wenn auch für einen Moment, nicht mehr die Gabi sein muss, die einfach alles so hinnimmt. Fortan sieht Gabi das Leben als Bühne. Und auf dieser Bühne spielt Gabi ihre Rollen. Mal ist sie verliebt, mal wütend, mal sanft, mal kalt, mal gefühlvoll – nur sie selbst will Gabi nicht mehr sein. GABI von Michael Fetter Nathansky spielt geschickt mit der Ebene des Spiels – und damit auch mit den Erwartungen der Zuschauer. Denn je mehr der Film von Gabi zeigt, desto unsicherer ist man, welche Gefühle echt sind. Das liegt auch an der fantastischen Gisa Flake, die Gabi in all ihren Facetten so unverblümt echt spielt, dass man glaubt, hinter jeder der „Rollen“ auch etwas Wirkliches zu finden. Die fast schon improvisatorisch wirkenden Dialoge, die sofort ihre emotionale Richtung wechseln können, sind für Figuren geschrieben, die in einem realistischen Setting und Milieu agieren. So wirkt alles lebensecht, nah und authentisch. GABI ist ein extrem stimmiger Kurzfilm, der sich auf seine wunderbare Hauptfigur konzentriert und im Kurzen großes Erzählkino schafft.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Spielfilm; Tragikomödie; Kurzfilm
Regie:Michael Fetter Nathansky
Darsteller:Gisa Flake; Florian Kroop; Britta Steffenhagen; Martin Neuhaus; Dela Dabulamanzi; Anja Karnstedt
Drehbuch:Michael Fetter Nathansky
Kamera:Clara Rosenthal
Schnitt:Kai Eiermann
Musik:Anna-Marlene Bicking
Webseite:filmuniversitaet.de;
Länge:29 Minuten
Verleih:Interfilm Berlin
Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, RBB; Producerinnen: Virginia Martin; Anna-Sophie Philippi
Förderer:Filmuniversität Babelsberg

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Frauen wie Gabi gibt es selten im deutschen Kino. Gegen die Stereotypen üblicher Frauenbilder besetzt und mit einem Beruf (Fliesenlegerin) versehen, der sonst ganz klar Männern zugeordnet ist, ist diese junge Frau aber keine Amazone, sondern voller physischer wie mentaler Präsenz, stark und verletzlich zugleich, eine Frau, hinter deren kraftvoller Fassade es aber gewaltig brodelt. Weil sie es gewohnt ist, in ihrer Welt immer wieder gute Miene zum bösen Spiel zu machen und sich zu verstellen. Als dann noch ihr hibbeliger Azubi Marco an ihr verschiedene Trennungsarten ausprobiert und ihr Mann sich als untreuer Waschlappen entpuppt, begreift sie, dass gerade Marcos spielerisch-ernster Umgang auch für sie ein Weg sein könnte, sich aus den Verkrustungen ihres Lebens zu befreien.

Michael Fetter Nathanskys Film GABI ist ein fein beobachtetes Werk, das mit vielen Nuancen und Zwischentönen einen präzisen Eindruck vom Innenleben einer Frau gibt, ohne dass diese ständig darüber redet, wie es ihr gerade geht. Vielmehr schwingt bei allem, was sie sagt, auch stets das Ungesagte mit, zeugt jede Äußerung und jede Handlung von einem Dahinter und Darunter, hinter und unter dem sich eine ganze Welt aus Leid und Frustration befindet, ohne dass diese expressis verbis thematisiert werden müsste.

Als besonders bemerkenswert empfand die Jury die Szene an den Mülltonnen, bei denen Gabi nach dem Vorbild von Marco in einem Gespräch mit ihrer Schwester verschiedene Varianten ein und derselben Szene spielerisch durchprobiert - und, so darf man vermuten, wahrscheinlich sind all diese Gefühle echt, schlummern all die Emotionen tatsächlich in ihr und finden auf diese nur scheinbar spielerische Weise ein Ventil. In dieser Szene zeigt sich aber nicht nur das reiche und ambivalente Innenleben Gabis, sondern auch das beeindruckende schauspielerische Vermögen von Gisa Flake, die dank ihres großen Talents und der klugen Regie diesen Film trägt und zu einer Ausnahmeerscheinung werden lässt.

GABI ist eine gewaltige Talentprobe - sowohl für den Regisseur Michael Fetter Nathansky wie auch für seine wundervolle Hauptdarstellerin Gisa Flake, der man öfters solche Rolle wünschen würde.