Eyes Wide Shut

Kinostart: 09.09.99
1999
Filmplakat: Eyes Wide Shut

Kurzbeschreibung

Verstört durch die sexuellen Fantasien seiner Frau (nach einem Flirt) flüchtet sich ein junger Arzt in nächtlichen Eskapismus, der ihn in vielfältige sexuelle Versuchungen führt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Kategorie:Spielfilm
Regie:Stanley Kubrick
Darsteller:Tom Cruise; Nicole Kidman; Madison Eginton
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:159 Minuten
Kinostart:09.09.1999
Verleih:Warner
Produktion: Warner Bros. Pictures, Warner Bros. Pictures; Hobby Films;
FSK:16

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Basierend auf Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" greift Stanley
Kubricks modernes Sittengemälde das Thema des Zwiespalts von
Fantasie und Wirklichkeit, Traum und Realität auf. Seine beiden
Hauptprotagonisten versuchen, diesen Widerspruch zwischen Traum
und Realität zu überbrücken bzw. die Realität des Traums in ihre
Alltagswirklichkeit einzubeziehen. Die Frau erlebt erotische
Abenteuer nur im Traum, während der Mann versucht - weil Männer
ja angeblich "so" sind -, die Erotik als Teil der Wirklichkeit zu
erfahren. Eine exzellente Kamera bannt diesen Balance-Akt auf dem
schmalen Grat zwischen Traum, Alptraum und Wirklichkeit in
faszinierende Bilder, die auch den Verfall einer Epoche und die
Endzeitstimmung des ausgehenden Jahrtausends widerspiegeln. Dabei
werden Szenen aus dem sogenannten richtigen Leben vor der Kulisse
einer pulsierenden Großstadt den hocheleganten Interieurs der
Reichen gegenübergestellt. "Draußen" pulsiert das wahre Leben,
"drinnen" bewegen sich die Menschen wie in einer Kunstwelt voller
Manierismen.

Dieser von Kubrick durchaus gewollte Manierismus erschwert aber
am Anfang des Films den Einstieg in das Drama, das sich nur sehr
langsam erschließt. Dann aber erweist sich die Geschichte als
dramaturgisch durchaus konsequent aufgebaut, wobei vor allem die
Musik eine wichtige Rolle spielt. Sie dient als Mittel, Akzente
zu setzen und die Handlung voranzutreiben.

Fesselnd an diesem letzten Film Kubricks ist vor allem das Spiel
mit Symbolen, wie den Masken, die reflektieren, daß hier jede
Figur ein Doppelleben führt und jede Person mindestens zwei
Gesichter hat. Auch in Szenen, wie dem großen Maskenfest, die in
manchen Momenten fast pornografisch erscheinen könnten, wirken
die Masken als verfremdendes Element und bewahren sie letztlich
dann doch davor, als plumpe Pornografie zu erscheinen. Immer
wieder wird in solchen Szenen die Doppelmoral bestimmter Gesell-
schaftsschichten eindringlich vorgeführt.

Bis zur letzten Einstellung des Films erweist sich Kubrick einmal
mehr als ironisch-distanzierter Chronist unserer Zeit, der es
versteht, aus einer literarischen Vorlage der Jahrhundertwende
ein zeitgemäßes Drama zu machen.