Eldorado

Kinostart: 14.05.09
VÖ-Datum: 16.10.09
2008
Filmplakat: Eldorado

FBW-Pressetext

Wie bei so vielen Roadmovies ist auch in dieser belgischen Independentproduktion der Weg das eigentliche Ziel. Wenn der frustrierte Autohändler Yvan in seinem Chevrolet den drogenabhängigen Möchtegern-Einbrecher zu dessen Eltern an die französische Grenze bringt, sind es nicht nur die kuriosen Geschichten am Wegesrand und die wunderschönen Stimmungsbilder der vorbeiziehenden Landschaften, die beim Zuschauer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Neben hellsehenden Autosammlern, Nudisten und verunglückten Hunden lebt der Film von der Präsenz des Hauptdarstellers und Regisseurs Bouli Lanners, seinem Gespür für Musik, Dialoge und seinen Mut zu Leerstellen. Tiefgehend tragisch und bis an die Schmerzgrenze komisch.
Prädikat besonders wertvoll

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Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Tragikomödie
Regie:Bouli Lanners
Darsteller:Bouli Lanners; Fabrice Adde; Francoise Chichery; Philippe Nahon
Drehbuch:Bouli Lanners
Weblinks:cinefacts.de; filmsortiment.de;
Länge:81 Minuten
Kinostart:14.05.2009
VÖ-Datum:16.10.2009
Verleih:Kool Filmdistribution
Produktion: Casa Kafka Pictures, Centre National de la Cinématographie, Inver Invest, Lazennec & Associe, Radio Télévision Belge Francofone - RTBF, Eurimages
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Gegen Ende des Films steht eine Prostituierte traurig an einer Straßenecke und unwillkürlich erwartet man, dass der heillos großherzige Yvan auch sie noch in seinen Chevrolet aufsammelt und zu retten versucht - wie vorher schon einen tödlich verletzten Hund und den Junkie Elie. Den erwischt er bei einem Einbruch in seine Wohnung unter dem Bett kauernd und statt die Polizei zu rufen, kutschiert er ihn durch halb Belgien zum Haus seiner Eltern.

Von dieser Reise erzählt das Roadmovie Eldorado und gemäß dem Genre sehen die wallonischen Gegenden, durch die er in seinem Straßenkreuzer kreuzt, allesamt wie amerikanische Landschaften aus. Mit seiner Cinemascope-Kamera gelingen Bouli Lanners viele, atmosphärisch dichte Landschaftstotalen und er lässt mit diesen langen Einstellungen dem Zuschauer auch die Zeit, sich in sie zu vertiefen. Die Filmmusik im Neo-Country Stil verstärkt die poetische Wirkung noch und der Witz des Films lässt sich vor diesem Hintergrund noch trockener servieren. Denn Yvan und Elie sind ein komisches Paar, das zudem auf seiner Reise durchweg skurrilen Zeitgenossen begegnet. Ein Wahrsager mit einer makaberen Sammelleidenschaft oder ein hilfsbereiter Autofahrer, der offenbar der Kleidung gänzlich abgeschworen hat, geben dem Film immer wieder eine bizarre Note, aber einer der komischen Höhepunkte des Films besteht einfach nur darin, dass die beiden in einem kalten Bach baden und sich gegenseitig bespritzen.

Filmisch arbeitet Bouli Lanners oft mit Auslassungen. Vieles passiert außerhalb des Bildrahmens und wird durch Geräusche (wie das Knarren des sich wiegenden Wohnwagens) oder Gesprächsfetzen (wie der Streit zwischen Elie und seinem Vater) vermittelt. Durch diesen minimalistischen Stil zwingt der Film den Zuschauer dazu, mitzudenken und sich dadurch intensiver auf die Geschichte einzulassen.

Es ist natürlich auch komisch, wenn Yvan am Anfang des Films minutenlang mit seinem Bett redet, unter dem Elie liegt und zuerst nicht einmal antwortet. Aber es ist auch sehr bewegend, wenn man nicht sieht, sondern hört und erahnt, was am Schluss mit Elie passiert.

Aber trotz all dieser Qualitäten würde der Film nicht so begeistern, wenn seine Protagonisten nicht solch ein außergewöhnliches Paar wären: seltsam, verletzt, verletzlich, vom Pech verfolgt und dabei auf eine rührende Weise würdevoll. Die beiden begleitet man gerne auf ihrer Reise. Ob man selber auch mit in diesem Auto sitzen möchte, ist eine ganz andere Frage.