Die Truman Show

Kinostart: 12.11.98
1998
Filmplakat: Die Truman Show

Kurzbeschreibung

Auf einer Insel im Meer, in einer proper-sterilen amerikanischen Kleinstadt wächst Truman auf, heiratet, macht seinen Job und versucht, hier und da auszubrechen, wobei er erst sehr spät erkennt, daß er nur die Hauptrollein einer gigantischen TV-Live-Show spielt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Science-Fiction
Regie:Peter Weir
Darsteller:Jim Carrey; Noah Emmerich; Laura Linney
Drehbuch:Andrew Niccol
Kamera:Peter Biziou
Schnitt:William M. Anderson; Lee Smith
Musik:Burkhard von Dallwitz
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:103 Minuten
Kinostart:12.11.1998
Verleih:Universal
Produktion: Paramount Pictures, Inc.
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Verhalten erst sind die Hinweise, obwohl gleich in der ersten
Szene quasi ein Komet vom Himmel fällt. Truman Burbank, 30,
Versicherungsvertreter im idyllisch-sauberen Seahaven, schenkt
dem zerborstenen Scheinwerfer sowenig Aufmerksamkeit wie wir, ist
mit der Erklärung, die der Nachrichtensprecher im Autoradio gibt,
zufrieden. Langsam nur entdeckt er sein eigenes Gefängnis,
allmählich nur lernen auch wir als Zuschauer, wie entsetzlich
umfassend seine Kunst-Welt wirklich ist.

Intelligent konstruiert, spannend erzählt und filmhandwerklich
auf höchstem Niveau, entfalten Regisseur Peter Weir und sein
wandlungsfähiger Hauptdarsteller Jim Carrey eine fast
atemberaubend glaubwürdige Medien-Manipulationsgeschichte von
gigantischem Ausmaß: Truman ist der einzig ahnungslose, der
einzig "wahre Mensch", der von tausend Komparsen umgebene und von
5000 Kameras überwachte Hauptdarsteller in einer seit 30 Jahren
laufenden Fernsehshow. Noch seine Ausbruchsversuche versteht sein
"Schöpfer", ein von Ed Harris überzeugend verkörperter
Fernsehregisseur, als Quotenbringer zu nutzen.
Verhalten erst sind die Hinweise auf das hier von den Medien
geschaffene Utopia: die "leichte" Überwachungskamera-Ästhetik,
der allzu blaue Himmel, die fast kulissenhaft wirkenden Häuser,
die überfreundlichen und sauberen Menschen, die schmeichelnd
synthetische Musik. Seahaven ist so, wie die Welt sein sollte,
wenn es sie als Serie gäbe. Schein hat mehr Buchstaben als Sein.

Es zeugt vom Stand der Bewußtseinsindustrie, die diesen Film
immerhin produzierte und ihn nun vertreibt, wieviele Schichten
diese - eines Jonathan Swift würdige - medienkritische Geschichte
abzuschälen vermag, ehe der Film im wahrsten Sinne an seine
Grenze stößt.
Der Regisseur Peter Weir findet hierfür ein Bild, das wert ist,
in die Ikonografie der Filmgeschichte aufgenommen zu werden. Ein
großes, schönes, klares, erschütternd einfaches Bild. Ein Bild,
das die zuvor so plastisch erlebte Welt plötzlich als Scheibe
zeigt: Auf der Flucht durchbohrt Truman mit der Bugspitze seines
Segelschiffes die kuppelhafte Begrenzung seiner gigantischen,
aber künstlichen Welt. Ebenso wie jener Sternenforscher auf dem
bekannten mittelalterlichen Stich, der seine Hand nach draußen
ins Unbekannte und Ungewußte streckt. Was ist da draußen? Wo ist
die Wirklichkeit?