Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

Kinostart: 25.10.07
2007
Filmplakat: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

FBW-Pressetext

Brad Pitt in den Fußstapfen von Robert Redford - als ein Darsteller nämlich, der überlegt, welcher Figur und welcher Interpretation er Gestalt und Präsenz leiht. Zehn Jahre hat er diesen ungewöhnlichen Film mit vorbereitet, der eine Western-Figur mit ganz unheroischem Blick erfasst. Einen Großteil des Films lässt Pitt einem anderen Darsteller: dem Talent Casey Affleck (auch in „Gone Baby Gone“ zu sehen). Eine Mediengeschichte ist dies, eine Modernisierung des Western-Genres. Und ein wunderschöner Film, wunderbar fotografiert.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Kategorie:Arthouse
Gattung:Spielfilm; Western
Regie:Andrew Dominik
Darsteller:Mary-Louise Parker; Brad Pitt; Casey Affleck; Brooklynn Proulx; Dustin Bollinger
Drehbuch:Andrew Dominik
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:159 Minuten
Kinostart:25.10.2007
Verleih:Warner
Produktion: Warner Bros. Entertainment GmbH, Jesse Films; Scott Free Prod.; Plan B Entertainment; Alberta Film Entertainment; Virtual Studios;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In seinen ersten Minuten erfüllt der Film noch die Erwartungen, die an einen Western gestellt werden. Der nächtliche Überfall auf einen Eisenbahnzug ist spannend inszeniert, es gibt eine überraschende Einstellung, in der sich der Zug zuerst auf die Kamera zu bewegt und diese dann auf ihn aufzuspringen scheint – es gibt Schüsse, Schläge, erschrockene Passagiere und davon reitende Outlaws. Aber dann löst Jesse James seine Bande auf und der Film verwandelt sich in eine Psychostudie, in deren Mittelpunkt Jesse James und sein späterer Mörder Robert Ford stehen.

Jesse James ist so etwas wie der erste Medienstar Amerikas, der neunzehnjährige Robert Ford ist einer seiner fanatischen Verehrer. Andrew Dominik versucht hier, den Mythos um Jesse James zu demontieren und gleichzeitig von diesem Mythos zu erzählen. Jesse James wird als ein paranoider, von Depressionen geplagter Mann gezeigt. Brad Pitt verleiht ihm eine Aura, die spürbar werden lässt, warum dieser Mann zu solch einer mythischen Person werden konnte. Der beeindruckend präsente Casey Affleck spielt Robert Ford als sein negatives Spiegelbild. Wo James stark ist, ist er schwach, wo dieser wie ein Psychopath handelt, zögert jener wie ein Neurotiker.

Die Einstellungen, in denen mit Unschärfen an den Rändern gearbeitet wird, so dass einzelne Bilder wie Fotografien aus jener Zeit aussehen, erinnern auch daran, dass hier der Mythos vom Westen hinterfragt wird. Auch der elegische Gestus und die epische Länge des Films, die eben nicht mit den gewohnten Genreszenen gefüllt wird, steht für solch eine Dekonstruktion.
Entsprechend der Beschleunigung der Medien wird dann von Robert Fords Karriere nach dem Tod von James viel schneller und prägnanter erzählt. Ford hat nicht das Zeug zu einem Mythos, er ist stattdessen ein vorübergehend Prominenter, der auf Theaterbühnen immer wieder die eine Szene spielt, durch die er berühmt wurde. Er befriedigt die Sensationsgier des Publikums, weckt aber auch dessen Verachtung. Im letzten Akt zeigt sich, dass Robert Ford im Grunde die spannendere und interessantere Figur des Films ist.