Der Zementgarten

Kinostart: 12.08.93
1993
Filmplakat: Der Zementgarten

Kurzbeschreibung

Pubertierendes Geschwisterpaar muss nach dem Tod der Eltern in einem von der Welt isolierten Haus im Niemandsland für zwei jüngere Geschwister sorgen, schottet sich ab, verwahrlost teilweise und begibt sich in eine inzestuöse Beziehung.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Kategorie:Spielfilm
Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Andrew Birkin
Darsteller:Charlotte Gainsbourg; Andrew Robertson; Alice Coulthard
Drehbuch:Andrew Birkin
Buchvorlage:Ian McEwan
Kamera:Stephen Blackman
Musik:Edward Shermur
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:105 Minuten
Kinostart:12.08.1993
Verleih:Neue Constantin
Produktion: Bundesbeauftragte für Kultur*, Neue Constantin Film; ZD ;Film Productions; Torii Production;
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Der Einstieg in diesen Film erscheint schwer, aber mit seiner sich immer mehr auf das Thema Geschwisterliebe zubewegenden Handlung überzeugt er. Die Besetzung der Kinderrollen ist gut gelunen, die Figuren von Vater und Mutter werden dagegen kritischer gesehen, zumal der Film erst nach dem Tod des Vaters auch innere Anteilnahme zu wecken vermag.

Einige Schwerpunkte der Handlung sind besonders beeindruckend. Der Haushalt der Schwester ebenso wie die subtile Annäherung des Geschwisterpaares und die Regenszene, die für den Jungen glaubhaft die Reinigung von monatelang angesammeltem Dreck und innerer Gefangenschaft bedeutet. Gerade in diesem Augenblick versteht man die Übereinstimmung mit der Figur des Raumfahrers, die indirekt nur über Zitate aus einem Science-Fiction-Roman vermittelt wird.

Gelobt wird die Szene, in der der Junge mit den Ameisen spielerisch umgeht, als eine Wahrnehmung von Leben in dieser alptraumhaften Abfallgesellschaft. Gelobt wird auch die Figur der jüngeren Schwester mit dem Tagebuch, aus dem sie wie aus einem Spiegel vorträgt, um dem Bruder zu sagen: nimm dich wahr, du bist nicht allein! Als gelungen wird schließlich die Szene mit der toten Mutter empfunden, wie die Trauer der Kinder glaubhaft in ein befreiendes Lachen umschlägt, als sie feststellen, dass die Decke zu kurz ist.

Die Wahl der Handlungsorte ist beachtenswert, insbesondere weil sie Ordnung und Chaos in diesem Haushalt und in dem gesamten Umfeld so überaus deutlich werden lässt.

Die Meeres-Szenen beschäftigen den Ausschuss in der Diskussion, weil sie bestimmend für die Farbgebung und damit auch für die "Innenansichten" in diesem Film sind. Zugleich erscheint das Zurücklassen des Jungen durch die Eltern und die ältere Schwester als ein Schlüssel für die spürbare Entfremdung der Geschwister zu Beginn des Films. Und schließlich scheint der Vater mit dem Meeresstrand das Vorbild für seinen Zementgarten gefunden zu haben, den er in der hoffnungslosen Trümmerwüste angelegt hat un in dem - wie im Meer - nichts Unregelmäßiges vorkommen darf.