Der englische Patient

Kinostart: 27.02.97
1996
Filmplakat: Der englische Patient

Kurzbeschreibung

Während des 2. Weltkrieges stürzt ein englischer Adliger mit seinem Flugzeug und seiner Geliebten in Nordafrika ab und wird - völlig entstellt und als Mann ohne Gedächtnis - in einem abgelegenen italienischen Kloster bis zu seinem Tod gepflegt.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama; Spielfilm
Regie:Anthony Minghella
Darsteller:Juliette Binoche; Ralph Fiennes; Willem Dafoe
Drehbuch:Anthony Minghella
Buchvorlage:Michael Ondaatje
Kamera:John Seale
Schnitt:Walter Murch
Musik:Gabriel Yared
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:162 Minuten
Kinostart:27.02.1997
Verleih:Kinowelt
Produktion: Tiger Moth Production, Inc., Berkeley, Calif., Tiger Moth Production; Miramax Films;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

Die ersten Bilder bereits exponieren meisterlich die große und tragische Liebesgeschichte dieses Filmepos. Ikonografisch werden Spuren in den Sand geschrieben. Für die Ewigkeit, oder als endliche Erinnerung? Ein Pilot fliegt übermütig im gleißenden Licht über eine betörende nordafrikanische Wüsten-Landschaft. Dann stürzt er ab wie Ikarus. So wird das antikische Drama exponiert, beiläufig fast. Der Zuschauer erlebt Filmbilder von unglaublicher, fast schmerzhafter Schönheit.
Vor dem Hintergrund der Wirrnisse und Tragödien des 2. Weltkrieges rettet die leidgeprüfte Krankenschwester Hana, faszinierend interpretiert von Juliette Binoche, den todgeweihten englischen Patienten. Ihr Schicksal scheint der Tod der ihr Liebsten, der englische Patient hingegen wirkt wie die Mumifizierung der weltpolitischen Tragödie des 20. Jahrhunderts. Seine leibliche Rettung scheint und ist unmöglich, die Chance seiner Erlösung begreift man letztlich als individuellen Mut, sich erkennen zu geben und den Dialog zu wagen.

So erzählt der Aristokrat, der europäische Intellektuelle, nach und nach die Geschichte seiner großen Liebe, in deren Bann man unweigerlich gerät, während man den eigenen Gefühlen noch mißtraut.

Der Regisseur offeriert uns eine Welt der schönen Bilder und er läßt sich epischen Raum, seine Figuren zu zeichnen. Lustvoll und akribisch verweilt er (bzw. die Kamera) in Szenen und Situationen. Als gäbe es nur diesen Augenblick, malt die Kamera quasi Ambiente und Interieur genüßlich und meisterlich aus.
Dennoch - das aristokratische Liebesdrama scheint nur romantisch, ist reich an historisch und politisch brisanten, die Geschichte erhellenden Anspielungen, meist nur schlaglichtartig gesetzt. Letztlich ist dieses Drama thematisch konsequent aufgehoben und verwoben im Schlußakkord in der toskanischen Klosterruine, in der die Helden wie versprengter Kriegsschutt aufeinanderprallen. Hier ist die eigentliche Geschichte auszutragen, bei aller Versehrtheit, Schmerzhaftigkeit und Schuld. So gewinnt sie klassische Dimensionen und nur so kann Hana am Ende des Films relativ gelassen den Lastwagen besteigen und das Erlebte als große Grunderfahrung, zu deren faszinierendsten Momenten die Begegnung mit ihrem indischen Freund in der Kirche zählt, hinter sich lassen. Der Kreis schließt sich wieder.
Brillant die beiden Darstellerinnen, die jede auf ihre Weise Welt und Welten verkörpert, leidenschaftlich, zart, hingebungsvoll und begehrend. Die männlichen Darsteller hingegen interpretieren eindrucksvoll eher das Prinzip des in die Pflicht und Verantwortung genommenen Mannes und Soldaten, zur Schuldigkeit prädestiniert oder verdammt.