Das schnelle Geld

Kinostart: 13.04.06
2005
Filmplakat: Das schnelle Geld

Kurzbeschreibung

Drama um das große Geschäft mit Sportwetten.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Drama
Regie:D.J. Caruso
Darsteller:Rene Russo; Al Pacino; Matthew McConaughey
Drehbuch:Dan Gilroy
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:122 Minuten
Kinostart:13.04.2006
Verleih:Universal
Produktion: Morgan Creek Productions, Inc., Morgan Creek Productions
FSK:6

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

„Das schnelle Geld“ ist ein Spielerfilm, der das Genre um eine neue Variante bereichert. Es ist ein Film über Gewinnen und Verlieren, über Wetten und Manipulieren, Zocken und Spielen, dem großen Al Pacino auf den Leib geschrieben - und ein gutes Thema für das WM-Jahr 2006. Das Thema Sportwetten hat es Regisseur Caruso angetan und spätestens seit dem Wettskandal um den Bundesliga-Schiri Hoyzer dürften sich auch hierzulande Sport-Laien für die Hintergründe interessieren. Allein in den USA werden jedes Jahr 200 Milliarden Dollar mit Sportwetten umgesetzt. Klar, dass sich hier neben ehrlichen Spielern und Sportlern auch Kriminelle in die Szene mischen.

Der Film beleuchtet diesen Themenkreis aus allen Winkeln - vom aufrichtigen ehemaligen Footballstar, der krankheitsbedingt jetzt für einen Radiosender Hörertipps fürs Wochenende abgibt, glaubwürdig dargestellt von Matthew McConaughey, bis hin zum Betreiber eines Wettbüros in Brooklyn, glänzend gespielt von Al Pacino.

Geschickt baut der Film seine Geschichte vom Sport selbst her auf und zeigt, wie der engagierte Sportler über die Zwischenstation Radio zum TV-Moderator und zum zynischen, golfspielenden Businessman wird. Al Pacino ist sein Mentor, der selbst lernen muss, die eigenen Finger vom Glückspiel zu lassen. Als Wettbüromanager hat er in seinem ehemaligen Footballstar einen Sportprofi, der Spielausgänge fundiert vorhersagen kann. Der aufrichtige Sportler und der vom Leben gezeichnete Spieler und Geschäftsmann bilden ein zunächst unschlagbares Team.

Die Gratwanderung zwischen Gewinnen und Verlieren, Höhen und Tiefen im Leben sind eine darstellerische Herausforderung für Al Pacino, die er wie kein Anderer meistert. Pacino spielt verhalten glänzend die Zwiespältigkeit dieser gebrochenen Figur, ihren Humor und den Glauben an sich selbst, den er selbst dann nicht verliert, als alles verloren scheint.
Ein Höhepunkt dieses handwerklich solide gemachten Spielerfilms ist die lange Einstellung eines abendlichen Spaziergangs auf der Straße, in der Al Pacino seinem Schützling im Beisein seiner Frau in einem grandiosen Monolog erklärt, warum der nicht auf seinen alkoholabhängigen Vater setzen soll, der ihn als Kind sitzen gelassen hat, sondern nur auf sich selbst und auf seine Zukunft. Grandios auch Pacinos Darstellung eines vorgetäuschten Herzanfalls auf einem Flughafen, nur um zu prüfen, ob sein Schützling für größere Geschäfte zu gebrauchen ist.

Der erfolgreiche Unternehmer Pacino spielt mit seinen Mitarbeitern wie mit Schachfiguren auf dem Schachbrett und manipuliert den Neuling nach Lust und Laune und zu seinem eigenen Vorteil. Selbst vor verdeckt eingefädelt und mit Geld gekauften „Erfolgserlebnissen“ für seinen „Schützling“ schreckt er nicht zurück. Als dem im Laufe der Handlung die Wahrheit zu dämmern beginnt, stellt sich ihm die Frage nach seiner eigenen „Identität“, seiner Überzeugung und Moral. Wie weit wäre er bereit, für den eigenen materiellen Vorteil und ein überlegenes Lebensgefühl zu gehen, Schwächere eiskalt zu täuschen und gezielt auszunehmen, immer im Bewusstsein, ihre oft nicht nur wirtschaftlichen Existenz zu zerstören.
Der Film wirft auch die Frage auf: Kann ein Süchtiger jemals von seiner Sucht lassen? Pacino gibt vor, nicht mehr zu spielen, tatsächlich aber spielt er eben nicht wie alle anderen im Wettbüro, sondern sein Wetteinsatz sind seine Firma und seine Mitarbeiter, ja sogar seine eigene Frau.

„Das schnelle Geld“ ist ein spannender Schauspielerfilm, bei dem das Spielfieber auch auf den Betrachter überspringt. Wie ein Zauberkünstler schüttelt Al Pacino, dem die Story auf den Leib geschrieben scheint, alle Register seines schauspielerischen Könnens locker und unangestrengt aus dem Ärmel, zum Leidwesen seiner Mitspieler, die durchgängig von Pacino an die Wand gespielt werden.