Das Meer in mir

Kinostart: 10.03.05
2004
Filmplakat: Das Meer in mir

FBW-Pressetext

Ein ungewöhnliches Thema (Sterbehilfe / Suizid) - hautnah an realen, persönlichen Schicksalen nacherlebbar gemacht - in einem außerordentlich, bewegenden und intelligenten Film, der ohne Einschränkung als einer der besten europäischen Filme des Jahres 2004 gewürdigt werden muß.
Prädikat besonders wertvoll

Filminfos

Gattung:Melodram
Regie:Alejandro Amenábar
Darsteller:Javier Bardem; Celso Bugallo; Lola Dueñas; Mabel Rivera; Belén Rueda
Drehbuch:Alejandro Amenábar; Mateo Gil
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:126 Minuten
Kinostart:10.03.2005
Verleih:Tobis
Produktion: Sogepaq S.A., Sogecine; Himenóptero Prod.; UGC Images; Eyescreen; TVE; Canal+;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat besonders wertvoll

In einem Europa, das politisch und wirtschaftlich immer enger zusammenwächst, können in vielen Belangen die Unterschiede aber nach wie vor nicht gravierender wie eh und je sein. So wird „Sterbehilfe“ in Deutschland heiß diskutiert, ist in Holland schon legitimiert und in Spanien außerhalb jeglicher Diskussion – immer mit dem Argument entsprechender rigider Gesetzgebung. Basierend auf dem aufsehenerregenden und nicht unumstrittenen Buch von Ramón Sampedro, der seinem Leben bewußt ein Ende setzte und eine von Spanien auf Europa übergreifende Diskussion um die Beihilfe zum Suizid entfachte, hat der aus Chile stammende und in Spanien lebende Regisseur Alejandro Amenábar ein Meisterwerk geformt, das in allen Belangen nur Außergewöhnliches zu bieten hat.
Dem Film vorzuwerfen, er sei Propaganda für Euthanasie, wird ihm in keiner Weise gerecht. Im Gegenteil: Kaum ein Film hat jemals ein Plädoyer für das Leben so eindeutig vermittelt. 28 Jahre verbringt Ramón nach einem Badeunfall vom Hals ab gelähmt im Bett. Ein Mann, der die Freiheit als Seefahrer in alle Länder der Erde im wahrsten Sinne des Wortes auslebte und diese Freiheit zumindest körperlich verlor: „Das Meer gab mir das Leben und gab mir auch den Tod“.
Faszinierend der große Javier Bardem als Ramón, der nur durch Blicke, leichte Kopfbewegungen und geringe Mimik eine Meisterleistung schauspielerischer Kunst bietet. Ein Mann, der konsequent den Tod fordert („Ich bin ins Leben verliebt. Deshalb will ich etwas Besseres!“), bei aller Tragik aber auch wunderschöne Momente der Liebe, der Selbstironie und der Heiterkeit vermittelt.
In keiner Weise geht der Film mit dem Thema „Sterbehilfe“ leichtfertig um, auch wenn er letztendlich eine klare Position dafür bezieht: „Wir unterstützen nicht die Freiheit zu sterben, sondern unterstützen die Freiheit zu leben und zu sterben!“ Zwei Frauen sind es, die – jede auf ihre Weise in Ramón verliebt - die Werte des Lebens vermitteln, aber gleichzeitig auch seine Forderung nach dem Tod teilen: Belén Rueda als intellektuelle Juristin Julia, vom Tod gezeichnet, und Lola Dueñas als Rosa, die einfache und herzliche Arbeiterin. Beide Darstellerinnen bieten unter der sicheren Führung des Regisseurs einfühlsame Glanzleistungen. Alle weiteren Rollen (Bruder, Vater, Schwägerin und Sohn) sind bestens besetzt und stehen mit ihren Leistungen denen der Hauptdarsteller nicht nach.
Eine hervorragende Kamera gibt vielen großen und emotionalen Szenen in Nahaufnahmen, in Landschaftsbildern und fantasiereichen Flugszenen über Meer und Land den passenden Rahmen. Und: Zu jeder Szene die richtige musikalische Begleitung, sei es Klassik oder Zeitgenössisches. Der Abschied Ramóns von seiner Familie, sein Exitus, der dem Zuschauer nichts erspart – das sind große Szenen, melodramatisch überhöht, aber nicht spekulativ oder gar kitschig.
Ein Glücksfall ist das Drehbuch, an dem auch der Regisseur beteiligt war, und das dem Film Dialoge mit einer Sprache bester Prosa, schönster Poesie und zauberhaften Repliken vorgab. Alles in allem ein Film wie aus einem Guß, der betroffen macht, aber auch Glücksgefühle auszulösen vermag.