Alexander

Kinostart: 23.12.04
2004
Filmplakat: Alexander

FBW-Pressetext

Monumental und extra aufwendig, faszinierend und gestalterisch eigenwillig ist Stones Biopic, das aus einer glanzvollen (antiken) Heldenlegende eine (aus heutiger Sicht) spannende griechische Tragödie formt.
Prädikat wertvoll

Filminfos

Gattung:Abenteuerfilm
Regie:Oliver Stone
Darsteller:Anthony Hopkins; Colin Farrell; Angelina Jolie
Drehbuch:Oliver Stone; Christopher Kyle; Laeta Kalogridis
Weblinks:filmsortiment.de;
Länge:176 Minuten
Kinostart:23.12.2004
Verleih:Constantin Film Verleih GmbH
Produktion: Moritz Borman Production, International Media AG; International Media Fund;
FSK:12

Jury-Begründung

Prädikat wertvoll

Für filmische Biografien hat sich Oscar-Preisträger Oliver Stone schon immer stark gemacht. Das beweisen seine Filme über das Leben von John F. Kennedy, Jim Morrison und Nixon. Mit dem Alexander-Epos wendet sich Stone erstmals einer historischen Größe zu, die uns tief in die Vergangenheit führt, aber nach „Gladiator“, „Braveheart“ und „Troja“ wohl den an historischen Stoffen neu entflammten Publikumsgeschmack treffen soll.
Wie bei allen Historienfilmen stellt sich auch bei „Alexander“ die Frage nach der historischen Genauigkeit und wie weit ein Regisseur und Drehbuchautor historisch überlieferte Fakten verändern oder ignorieren darf. Im Bewertungsausschuß entzündete sich aber viel eher die Frage, warum dieser Film gerade heute gemacht wurde, warum eine „Heldenfigur“ wie Alexander nicht besser aus der Sicht von heute interpretatorisch beleuchtet wurde.
Oliver Stone legt sehr viel Gewicht auf die getreue Nachbildung von Alexanders Schlachten und zeigt ihn nicht nur als genialen Heerführer, sondern auch als eine von Selbstzweifeln geplagte Persönlichkeit, die über viele Jahre hinweg rastlos ein Land nach dem anderen eroberte. Dies geradezu missionarisch, um den „barbarischen Völkern des Ostens“ die hellenische Kultur zu vermitteln. Seinen im Film vorgeführten idealistischen Zielen der Verbindung der Völker des Ostens mit denen des Westens – so macht er auch eine „Barbarin“ zu seiner ersten Ehefrau – entsprechen aber wiederum nicht die historisch überlieferten und von Oliver Stone teilweise unterschlagenen bzw. nur angedeuteten Grausamkeiten bei der Unterwerfung der eroberten Länder.
Der Film veranschaulicht die Tragik eines Mannes, der das größte Weltreich aller Zeiten beherrschte, aber nie mehr seine Heimat wiedersehen sollte und in seinem kurzen Leben stets ein Getriebener war, zerrieben zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Insofern hinterfragt der Film auch kritisch die heroische Legende um Ruhm, Macht und Glanz eines antiken Helden, den extrem unterschiedlichen Vorbildern und Einflüssen seiner Eltern und die Probleme, die sich aus den homosexuellen Präferenzen ergaben.
Mit enormem Aufwand inszenierte Stone das Epos, die Inszenierung der Schlachten mit faszinierend neuen Perspektiven (aus der Sicht eines Adlers!) ist grandios. Die Perfektion bei der Anwendung der digitalen Technik veranschaulicht ein nie gesehenes Bild der Stadt Babylon u.a.

Colin Farrell besitzt –mit Sicherheit gewollt – nicht die heldenhafte Ausstrahlung eines Brad Pitt als Achilles, spielt die in Zweifeln und unstillbarer Suche nach dem Ende der Welt zerrissene Persönlichkeit Alexanders eindrucksvoll und überzeugend. Dies vor allem auch in den Auseinandersetzungen mit seinem Vater und der ihn beherrschenden Mutter, überzeugend dargestellt von Val Kilmer und Angelina Jolie.
Die Kritik des Ausschusses entzündete sich an der Wahl der musikalischen Begleitung. Die monumental offensive Musik von Vangelis ist immer eine Frage des persönlichen Geschmackes. Alexanders Visionen von der Errichtung eines Weltreiches und der Vermittlung griechischer Kultur hätte man sich nicht oft nur in verbaler, sondern auch in mancher bildlichen Umsetzung gewünscht.
Die begleitenden „historischen Kommentar - Szenen“ mit Anthony Hopkins als Alexanders ehemaliger Weggefährte Ptolemaios zerstören leider den filmischen Fluß und wirken überflüssig belehrend. Ein sparsam eingesetzter Off-Kommentar, wie bei „Troja“, wären der Dramaturgie angemessener gewesen.